3 Tage, 600 Kilometer und 95 Thesen  – Das LaFüLa 2016

Am 18. November startete in Ludwigshafen ein mit RPS infizierter Bus zum diesjährigen Landesführerlager in der Nähe von Eisenach. Um die doch recht lange Fahrtzeit zu verkürzen und die Thematik des bevorstehenden Wochenendes einzuleiten, wurde der Lutherfilm gezeigt und dabei „Luther-Bingo“ gespielt. Im Mittelpunkt der Reise stand nämlich der Besuch der Wartburg, die hauptsächlich deshalb bekannt ist, weil sie im 12. Jahrhundert Schauplatz des legendären Sängerwettstreits mit Walther von der Vogelweide war (und weil dort ein „Martin Luther“ einen Bestseller vom Lateinischen ins Deutsche übersetze). In kleinen Gruppen, die nach Personen mit wichtig klingenden Namen benannt waren, machten wir uns am Samstag auf, die Wartburg und ihre Geschichte über 7 Stationen zu ergründen und dabei möglichst viele Thesen zu sammeln. Als wir am Morgen aufgewacht waren, ahnten wir noch nicht, dass dies der Tag sein sollte, an dem wir darüber hinaus unsere eigene These formulieren und sie an eine Tür namens Bernd nageln würden. Außerdem stiegen wir in den Ablasshandel ein und kauften uns durch kreativen und körperlichen Einsatz von unseren Sünden frei. Beim bündischen Speerwurf konnten wir hautnah erleben, wie sich die Kämpfer im Schmalkaldischen Krieg gefühlt haben und auch das mittelalterliche Ständesystem und die damalige Rolle der Wissenschaft wurden beleuchtet. Rund um die Frage „War Luther ein guter Mensch?“ gab es auch Gelegenheit zur kritischen Auseinandersetzung mit der Reformation und ihren Auswirkungen auf die heutige Zeit. Der maßgeblichen Bedeutung des Buchdrucks für den Erfolg der Reformation wurde durch die Möglichkeit zum Binden eines eigenen Buches Ausdruck verliehen und der Rundgang durch das der Wartburg zugehörige Museum stellte sich als informativ und angesichts des Wetters auch als angenehm trocken und warm heraus. Die „Lutherstube“, in der die Bibelübersetzung stattgefunden hat, durfte bei der Besichtigung natürlich nicht fehlen, jedoch lohnte sich auch ein Halt beim „Mundarttest“, bei dem durch die Aussprache dialekttypischer Formulierungen die eigene Herkunft ermittelt wurde (laut diesem Test stammen einige Saarländer aus Rheinland-Pfalz, das kann nur an dem RPS Virus liegen!). Nach dem Besuch der Wartburg durften wir uns an einem fürstlichen Dinner erfreuen, bei dem selbstverständlich auch das berühmte Luther-Bier nicht fehlen durfte. Die große Singerunde und auch die eher unfreiwillig unter freiem Himmel stattfindende Tschai-Beschwörung vollendeten den erlebnisreichen Tag. Der nicht weniger ereignisreiche Sonntag begann mit einem eindrucksvoll gestalteten Gottesdienst, der von einer Pfarrerin begleitet wurde und unter anderem die Einnahme des Abendmahls beinhaltete. Die anschließende Heimreise wurde genutzt, um ein verlorenen Schlaf nachzuholen, Bilder auszutauschen und ein paar Runden „Stadt-Land-Luther“ zu spielen, bevor sich unsere Wege schließlich wieder trennten. Die lange Fahrt hat sich auf alle Fälle gelohnt und wir freuen uns schon auf das nächste Landesführerlager mit ansprechendem Programm, leckerem Essen und bester Gesellschaft.

Text: Michelle Würtz